Shahara aus England

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SHAHARA lernte ich in einem Guesthouse in Auroville, Indien kennen. Gemeinsam verbrachten wir einen wunderschönen Tag in Pondicherry, an dem sie mir von ihrer großen Suche erzählte. Ihre Familie stammt aus Bangladesch. Aufgewachsen ist sie in einer indischen Gemeinde am Rande Londons. Nach ihrem Informatikstudium verspürte sie das große Bedürfnis zu reisen. Japan faszinierte sie. Sechs Jahre arbeitete sie dort als Englischlehrerin, reiste dann noch ein weiteres Jahr als Backpackerin um die Welt und kehrte schließlich als Software Ingenieurin nach London zurück. „In der Unternehmenswelt musste ich einen Teil meines Menschseins ablegen, um funktionieren zu können. Das hat mir irgendwann den Atem genommen.“ Also machte sie sich wieder auf die Suche. In Hongkong lernte sie Permakultur kennen und war begeistert. Seit sechs Jahren betreibt sie dort nun eine kleine Farm und unterrichtet Schulklassen in Umweltfragen. „Plötzlich musste ich all mein Menschsein hineingeben, damit es funktioniert.“ Anfangs hatte sie großen Respekt, diesen Schritt zu wagen, aber durch ihre Reiseerfahrung wusste sie: „Überlass niemals Deinen Zweifeln die Führung. Alles ist möglich, wenn Du Dein Herz hineingibst.“

 

Wann warst Du das letzte Mal glücklich, Shahara?

Ich bin gerade auf der Suche nach einer neuen Definition von Glück. Denn das, was mich früher einmal glücklich gemacht hat, funktioniert schon lange nicht mehr für mich. Das hatte viel damit zu tun, irgendetwas im Außen zu erreichen. Jetzt sehne ich mich eher nach innerem Frieden und einer generellen Zufriedenheit. Ich glaube, dass ich dadurch ein neues Level von Glück erreichen werde. Aber bis ich das wirklich durchdrungen habe, sind es eher die kleinen Dinge: eine selbstangebaute Tomate, oder der erste selbstangebaute Salat.

 

Was müsste in Deinem Leben passieren, damit Du häufiger Glück erlebst?

Drei Dinge fallen mir ein: 1.) Kreative oder herausfordernde Arbeit, weil sie mich im Hier und Jetzt verankert, statt in Grübeleien. 2.) Wenn ich es schaffe, meine Ängste zu überwinden. 3.) Absolute Ehrlichkeit mir selbst gegenüber. Das bedeutet auch, mir nichts mehr schönzureden.

 

Was müsste in Deinem Land passieren, damit die Menschen dort glücklicher zusammenleben?

Meine Antwort gilt eigentlich für die ganze Welt, nicht nur für England oder China. Wir sollten Menschen mit geringem Einkommen sehr viel mehr Respekt zollen und ihnen ein Leben in Würde ermöglichen, statt sie immer weiter an den Rand zu drängen. Denn das erzeugt Wut, die wiederum viele weitere Probleme mit sich bringt. Ich selbst stamme aus einer Arbeiterfamilie. Deshalb bin ich sehr sensibel, was dieses Thema anbelangt. Meinen Beitrag sehe ich darin, Menschen Permakultur beizubringen, damit sie sich selbst versorgen können und sich ein Business jenseits der großen Städte aufbauen können.

Judith Döker