Amirdokht aus Iran

 
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AMIRDOKHT (21) lernte ich auf einer Busfahrt von Yazed nach Shiraz kennen. Später traf ich sie dann noch mal in Teheran, wo sie „Drehbuch schreiben“ studiert. Wann immer sie kann, reist sie kreuz und quer durch das ganze Land. Oft alleine. Angst hat sie keine. Sie ist ein Freigeist. Eine weise junge Frau, die mir sehr imponiert hat und mit der man wunderbar lachen kann.

Wann warst Du das letzte Mal glücklich, Amirdokht?
„Ich komme gerade aus Buschehr, von einem Musikfestival. Dort habe ich das Glück sehr intensiv erlebt. Ich hatte das Gefühl, einfach nur zu schweben, zu atmen und war das glücklichste Mädchen der Welt.“ 

Was müsste in Deinem Leben passieren, damit Du häufiger Glück erlebst?
„Ich möchte mich selbst besser kennenlernen. Denn wenn Du wirklich weißt, dass Du eine Seele in einem menschlichen Körper bist, dann macht das einen großen Unterschied. Durch dieses Wissen entsteht Liebe. Und ich denke, dass die Liebe die wichtigste Kraft im Leben eines Menschen ist. Zumindest ist sie das in meinem Leben.“

 Was müsste im Iran passieren, damit die Menschen dort glücklicher zusammenleben?
„Jeder Mensch hat einen einzigartigen Charakter. Aber im Iran versucht man schon in der Schule, uns so zu schleifen, dass wir alle in die gleiche Box passen. Das ist traurig, denn die iranische Kultur ist reich und tief. Unsere Poeten haben sich mit der Philosophie des Lebens auseinandergesetzt. Jeder einzelne von uns könnte etwas so Einzigartiges machen. Aber in meinem Land sind viele Menschen deprimiert, weil wir all die Dinge, die uns wirklich ausmachen, vergessen haben. Stattdessen schlagen wir uns mit Sachen herum, die nicht wirklich von Bedeutung sind. Die Iraner sind ein sehr freundliches und liebevolles Volk, aber wir wissen im Moment nicht, wie wir unserer Liebe Ausdruck verleihen können, weil uns das Regime in so vielen Bereichen zensiert.“